Tenna Hospiz

photogenic Tenna

Im kleinen Bergdorf Tenna, heute in der Gemeinde Safiental gelegen, steht seit etwa 15 Jahren die ehemalige Sennerei meist brach. Das Gebäude wurde in den 1950er Jahren errichtet um die Milchverarbeitung der verschiedenen Bauernbetriebe auf genossenschaftlicher Basis zu vereinfachen. Die Sennerei im Dorf war mit einer Seilbahn mit der Tenner Alp verbunden, so dass auch während der Alpungszeit eine moderne Milchverarbeitungseinrichtung zur Verfügung stand. Mit der Gesamtmelioration wurde die Alp durch eine Strasse erschlossen. Gleichzeitig haben die Veränderungen in der Landwirtschaftspolitik dazu geführt, dass die Bedeutung der Milchwirtschaft in Tenna abgenommen hat. So kam es, dass die Sennerei meist nur noch von den Landfrauen regelmässig genutzt wurde als Standort für den gemeinschaftlichen Webstuhl.

Das Gebäude steht am Rand der Fraktion “Mitte”, in unmittbarer Nähe des spätgotischen Kirchleins. Es ist im Eigentum der 2013 geschaffenen Gemeinde Safiental. Diese scheint bereit, sich zu überlegen, allenfalls die Liegenschaft zu verkaufen. Eine Gemeindeversammlung wird dazu einen Beschluss fassen müssen.

[Nachtrag: Im Januar 2016 hat der Gemeinderat publiziert, dass sich für die Nutzung der Liegenschaft alte Sennerei neue Interessenten bei der Gemeinde meldeten. “Zusammen mit diesen und dem Naturpark Beverin wird nun ein Projekt erarbeitet” (p.2, Der Bote Nr. 16/Januar 2016). Leider erhielt ich auf meine Anfrage beim Gemeinderat zur Übernahme der Liegenschaft für das Hospiz Projekt im Januar 2015 keine Antwort.]

Die Idee

Die Grundidee ist, neues Leben zu finden für das mehrheitlich ungenutzte Gebäude, wie auch für das Dorf. Ein Bergdorf mit einer Bevölkerung von etwa 100 Personen, mit erschwertem Zugang wegen den geographischen und klimatischen Bedingungen, und einer hohen Abhängigkeit vom Primärsektor (Land- und Forstwirtschaft) hat wenig offensichtliche Entwicklungspotenziale in einer schnelllebigen Konsum- und Unterhaltungsgesellschaft.

Der Standort bietet jedoch eine Nischengelegenheit für soziales Wohnen und Arbeiten. Dies scheint eine Gelegenheit, die nicht zwingend konkurrieren muss in einer globalisierten Marktwirtschaft, sondern die auf den lokalen Voraussetzungen und Werten aufbauen kann. Das menschliche Mass ist eines der wesentlichen Leitmotive.

In der Gemeinde gibt es einen unrealisierten Bedarf an alters- und behindertengerechtem Wohnraum. Die alten Walserhäuser sind nur erschwert den sich verändernden Bedürfnissen von alternden Menschen an zu passen. Mitmenschen die pflegebedürftig werden müssen ausserhalb der Gemeinde in eine Pflegeinstitution verlegt werden, womit sie dann meist zusätzlich auch noch sozial und kulturell von ihrem gewohnten Umfeld separiert werden. Der 2015 beschlossene Kommunale Richtplan hält als Leitüberlegung und Massnahme fest, Voraussetzungen zu schaffen für eine soziale Wohn- und Pflegeeinrichtung.

Die Lage der Sennerei, treppenfrei von der Hauptstrasse her zugänglich, und die Nähe zu den Kerneinrichtungen des Dorfes (Volg Laden mit Postagentur, Postauto Haltestelle, Restaurant, Kirche), birgt einige Standortvorteile für ein soziales Wohnprojekt. Der grosszügige Grundriss des bestehenden Gewerbebaus, inklusive der Talstation der Seilbahn, erlaubt einen Umbau der alters-, pflege- und behindertengerecht gestaltet werden kann.

Das Konzept

Die erste Vorstudie geht von der Errichtung verschiedener Wohneinheiten aus, die auch gemeinsam genutzt werden können. Sie sollen hindernisfrei sein und damit alters-, pflege- und behindertengerecht sein. Die Studie sieht auch einen Begegnungsraum vor, mit dem dann die Möglichkeiten geschaffen werden können, die Isolation zu verhindern und einen Austausch mit der Öffentlichkeit zu fördern. Ein Teil des Wohnraumes soll auch zur Verfügung stehen für Menschen die innerhalb des Projektes Betreuungs- und Pflegedienste leisten können.

Die Betriebsform der Senioren-Wohngemeinschaft ist im Einklang mit dem Altersleitbild Graubünden 2012.

Der Standort der Sennerei, in der Nähe zum Kraftort der denkmalgeschützten Kirche, erfordert ein Feingefühl für die Gestaltung eines Umbaus der Sennerei. Das Konzept nimmt sowohl Rücksicht auf das Ortsbild, wie auch auf die industrie-archäologische Bedeutung des Sennereigebäudes. Das Konzept folgt auch dem Trend im Dorf, dass Energie aus den vorhandenen erneuerbaren Ressourcen (Sonne, Holz) geschöpft wird.

[Nachtrag November 2016: Eine Alternative wird gesucht. Das Troghus in der Fraktion Mitte ist eine weitere Liegenschaft, die von der Lage und dem Zugang her ähnliche Voraussetzungen hat wie die ehemalige Sennerei. Es wurde ein konkretes Kaufangebot eingereicht an die Eigentümerschaft.

In der Zwischenzeit gibt es ein verwandtes Angebot: PflegeWege, ein ambulanter Dienst für Lebens- und Sterbebegleitung, so dass Menschen ihre volle, natürliche Lebensspanne in Würde zu Hause leben können].

Die Studie sieht vor, dass das Projekt gemeinnützig sein soll. Es wird eine Trägerschaft angestrebt, die nicht privatwirtschaftlich und profitorientiert ist, damit der soziale Wohn- und Arbeitsraum auch längerfristig gesichert werden kann.

Am 4. Dezember 2016 wurde in Tenna der Verein Tenna Hospiz gegründet, der die Trägerschaft ist um die Ausarbeitung, Planung und Realisation eines Hospizes an die Hand zu nehmen.

Es gibt ein Wort das die Grundideen für das Projekt zusammenfasst: Das Hospiz.

Hospiz (lat. hospitium „Herberge“) steht für:
  • ursprünglich ein kleines Kloster mit wenigen Ordensleuten zur Aufnahme durchreisender Mönche
  • eine Pflegeeinrichtung im Mittelalter, von kirchlichen oder klösterlichen Herbergen für Pilger (Pilgerherberge), Bedürftige (Armenhaus), Fremde (Asyl, später Hotel) oder Kranke, die so später auf den Begriff über geht, der sich zum heutigen Krankenhaus (Spital von “Hospital”) wandelt.
  • zu Beginn der Industriellen Revolution bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts ein Schlafhaus für fern der Heimat arbeitende Arbeiter
  • ein Gasthaus oder eine Unterkunft für in Not geratene Bergwanderer, etwa eine Schutzhütte
  • allgemeiner eine Herberge an Pilgerwegen, auf Bergpässen und an Wallfahrtsorten
  • eine Einrichtung der Sterbebegleitung; Im deutschen Sprachraum der Gegenwart wird mit Hospiz eine stationäre Pflegeeinrichtung bezeichnet, die meist über nur wenige Betten verfügt und ähnlich wie ein kleines Pflegeheim organisiert ist.
 
Das menschliche Mass ist zweierlei:
Eine numerisch meßbare Größe und ein subjektives Empfinden.
  • Als numerisch meßbare Größe können wir die menschliche Körpergröße angeben.
  • Subjektives Empfinden bestimmt die Wahrnehmung unseres Verhältnisses zu Räumen, Wegen, Plätzen und Gebäuden, Gelände, also: wie fühlt sich der Mensch in Bezug auf baulich gestaltete Umgebung und die Umwelt — entspricht sie ihm, kommt er sich geborgen, gestärkt, beheimatet in ihr vor oder ausgeliefert, abgewiesen, degradiert?

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