Namenstag: Othmar

Otmar wuchs wahrscheinlich in einer angesehenen alemannischen Familie am Bodensee auf. Er wurde dort auch geschult und später nach Chur zum Studium geschickt. Nach der Priesterweihe wurde er im Pfarreidienst eingesetzt. Im Alter von dreissig Jahren wurde er beauftragt im Steinachtal bei der Zelle des Gallus ein Kloster zu errichten.

Otmar hatte eine ausgeprägte soziale Ader, verschenkte Klostervermögen an die Armen, baute in der Nähe des Klosters das erste Haus für Aussätzige in der Schweiz und nahm Kranke, Blinde und Arme in einem weiteren Bau auf, wo er sie auch nachts selbst betreute; die enge Verbindung der Klosterbrüder zum einfachen Volk begründete Missionserfolge und brachte ihm den Namen Armenvater ein. Er fürchtete den wachsenden Reichtum seines Klosters und kleidete sich selbst einfach, ritt nur auf einem Esel statt auf einem Pferd. (Ökumenisches Heiligenlexikon)

Für die Stifter und Förderer des jungen Klosters war es eine politische und kulturelle Absicherung gegen die fränkischen Einflüsse. Othmar forderte die Unabhängigkeit des Klosters um seinen spirituelle Aufträgen nachkommen zu können. Damit geriet er in Konflikt mit seinen einflussreichen Förderer. Er wurde verhaftet, und wegen Vergewaltigung einer Frau angeklagt. In einem Scheinverfahren wurde er zum Tode verurteilt. Der Ankläger und Hauptzeuge widerrief seine Anklage nachdem er unerklärlicherweise schwer erkrankte. Die Behörden reagierten auf die anschliessenden Proteste aus der Bevölkerung und sandten Othmar in Verbannung auf die Rheininsel Werd wo er innerhalb eines Jahres verstarb.

Otmar lebte von etwa 690 bis am 16. November 759. Er wurde 864 heilig gesprochen. Sein Leben wurde um 830 vom St. Galler Bruder Gotzbert dokumentiert. Seine Lebensgeschichte ist überliefert in einem lateinischen Manuskript aus dem Jahre 890 dessen Original von Walafrid Strabo verfasst wurde und noch heute in der Stiftsbibliothek erhalten ist. Hier ist ein link wo ein Faksimile zu sehen ist:

Codex Sang 562

Die älteste bekannte deutsche Fassung liegt ebenfalls in der Stiftsbibliothek St. Gallen, verfasst zwischen 1430 und 1434:

Codex Sang 586

Otmar, Abt von St. Gallen (c690 – 759), Illustration vom Codex Sang 586 (1430 – 1434) (photo credit: Immaculata Helvetia)

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