How many roads?

Wie viele Strassen braucht ein Mensch pro Quadratmeter?

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“How many roads must a man walk down before you call him a man?”

frägt Bob Dylan 1962 in seinem Song. Wieviele Strassen müssen wir bauen, bis alle Paragraphen und Verwalter von Reglementen befriedigt sind?

Das Bild aus der Stadt Ilanz zeigt den planerischen Wahnsinn, der entstehen kann aus einer komplexen Kaskade von Vorschriften, die alle einzeln Sinn machen können. Wer hat sich hier auf wessen Kosten verwirklicht?

Bob Dylan sinniert weiter:

“Yes, ‘n’ how many years can a mountain exist
Before it’s washed to the sea?
Yes, ‘n’ how many years can some people exist
Before they’re allowed to be free?
Yes, ‘n’ how many times can a man turn his head
And pretend that he just doesn’t see?”

Und seine Antwort kommt nach jeder Strophe:
“The answer, my friend, is blowin’ in the wind
The answer is blowin’ in the wind”

Auch im veranschaulichten Beispiel der Strassenführung in Ilanz liegt die Antwort irgendwo im Winde verweht.

Hier der komplette Liedtext auf deutsch:

Wie viele Straßen muss ein Mann erst begeh’n,
Bevor du sagst, er sei ein Mann?
Über wie viele Meere muss eine weiße Taube segeln,
Bevor sie im Sande schläft?

Ja, und wie viele Male müssen Kanonenkugeln fliegen,
Bevor man für immer sie bannt?
Die Antwort, mein Freund, sie verweht im Wind,
Die Antwort verweht im Wind.

Wieviele Jahre kann ein Berg besteh’n,
Bevor das Wasser ihn mitnimmt ins Meer?
Ja, und wie viele Jahre können Menschen leben,
Bevor man ihnen die Freiheit schenkt?

Ja, und wie viele Male kann ein Mann sich abwenden
Und behaupten, er sähe einfach nichts?
Die Antwort, mein Freund, sie verweht im Wind,
Die Antwort verweht im Wind.

Wie viele Male muss ein Mann aufschauen,
Bevor er den Himmel sehen kann?
Ja, und wie viele Ohren muss ein Mann haben,
Bevor er die Menschen weinen hört?

Ja, und wie viele Tote muss es geben, bis er merkt,
Dass zu viele Menschen gestorben sind?
Die Antwort, mein Freund, sie verweht im Wind,
Die Antwort verweht im Wind.

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Erinnerungen an Rolf Deck

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Ferdinand der Ziegenbock, Tenna 1987

Die Welt ist eine Kleine.

Gestern sitze ich auf der Terrasse beim Hotel Alpenblick und unterhalte ich mich mit zwei Bekannten. Irgendwie kommen wir ins Gespräch über einen tragischen Unfall auf einem Landwirtschaftsbetrieb in der Region. “Dä hesch du viellecht au könnt” meinte mein Gesprächspartner.

Mein Gesprächspartner war mehrere Male im Einsatz und auf Besuch auf dem besagten Betrieb und hatte dort im Gespräch über längst vergangene Zeiten gehört, als die betroffene Familie im Safiental lebte.

Ja, Mitte der 80er Jahre haben Rolf und Iris, mit Kleinkind Amos und dem Hund Galadriel auf meinem Bergheimat Hof in Tenna gelebt und gearbeitet. Rolf zeigte ein starkes Interesse an der Ziegenhaltung. Wir teilten uns das Troghus, philosophierten und diskutierten über das Leben und die Gesellschaft, in der wir uns doch eher am Rande fühlten. Wir fanden nicht genügend Gemeinsamkeiten, um einen Lebensentwurf mit Hofgemeinschaft aufzubauen. Dafür hat es auch an der Rechtssicherheit des Pachtvertrages als wirtschaftliche Grundlage gemangelt.

Rolf und Iris haben als junge Familie ihren Weg gefunden. Rolf hat die Geschichte im Jahr 2006 öffentlich erzählt. Interview mit Rolf Deck aus der Sendung ‘Porträt’ des Senders Life Channel. Nach der 28. Minute kommen die Interview Partner auf die Zeit und Erlebnisse in Tenna, inklusive deren Bedeutung für den Lebensweg von Rolf, zu sprechen.

Mein Weg führte auch von Tenna weg und dann über verschiedene Stationen und Kontinente wieder zurück ins Safiental. Nach 32 Jahren kreuzen sich die beiden Lebensgeschichten wieder, auf der Terrasse vor dem Hotel Alpenblick.

Ein kleine Welt! Und wir haben manchmal dennoch keine Ahnung davon, wie stark der persönliche Bezug ist auf eine Kurznachricht, die einem ins Auge springt und die man beiläufig liest.

Ich wünsche der Familie viel Kraft für den weiteren Weg ohne Rolf.

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Remembering Rolf Deck

It is a small world.

Yesterday I casually got into a conversation about a tragic accident on a farm in this region. It turned out, that the farmer killed was Rolf, with whom I worked more than thirty years ago here in Tenna.

Rolf and Iris, together with baby Amos and dog Galadriel spent a winter in Tenna. We shared a house and the farm work. He had a keen interest in goat husbandry. And we spent many hours talking about life and the society we were embedded in. We were looking for alternatives. However, there were not sufficient commonalities to go a shared path. And the economic footing for such a vision was lacking as well.

Rolf and Iris found a way for the young family. In 2006, Rolf told his life story on radio to Life Channel; the interview in German is available at the above link.

I remember Rolf well, and I wish the family much strength to continue their way without him!

Wo liegt das Herz von Tenna?

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“Sie bezeichnen sich als kantig und eckig und sind trotzdem weltoffen – die Bewohner und Bewohnerinnen von Tenna”, erzählt die Publireportage vom VOLG in der Schweizer Illustrierten. “Sie sind innovativ und bewirtschaften das Hotel, den Solar-Skilift oder ein zukünftiges Hospiz gerade selbst”.

Lesen sie den ganzen Beitrag, mit bester (indirekter) Werbung für das Projekt “Alte Sennerei” des Vereins Tenna Hospiz gleich selber:

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Donkey Cart of the Hospice Movement in Switzerland

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On the way to Finisterre (photo credit: Urs & Elisabeth Bläsi)

The project “Old Cheese Dairy” in Tenna, Switzerland, by the Tenna Hospice Association, is becoming a state of the art building with barrier-free accommodation, purpose built for good care for the ageing, dementia and palliative care. However, this privat project is viewed by professionals just like a donkey cart on its journey to the end of the earth.

The project “Old Cheese Dairy” originated from a personal concern as a civil society initiative. It implements in a remote mountain region what dozens of expert position papers and national strategies call for: good care for the ageing, affordable and barrier-free housing, self-determined living to the very last day, and a reduction of the rising cost in health and social services.

The project works with an innovative concept of a synthesis of stationary and ambulatory hospice, nursing and care services. It builds on long-standing social and cultural structures and traditions that continue to exist in the Safien Valley. It collaborates with existing regional services (i.e. home care, ambulatory palliative care), which are being strengthend; it avoids costly competing services and infrastructure.

The core idea of the project “Old Cheese Dairy” is to support the affected people and their family caregivers according to their respective needs and in coordination with professional services. Private and volunteer care and assistance are not being replaced by professional services; they will be recognized, supported and extended. A communal living arrangement is the lived expression of this integrative thinking: each family is an example of such a service model.

The Tenna Hospice Association still needs about half a million Swiss Francs to complete the construction of the building. That is an equivalent to what the next national congress on a topic in health and social service will cost. There, about 400 people will continue to discuss the next steps in best practices for the ageing, dementia or health care. And they will predictably conclude that more money will be needed from an already cash-strapped purse.

The Tenna Hospice Association accepts donations for a concrete solution to accommodate and care for human beings on their last stretch of life in a dignifying way. More info  at tennahospiz.ch. Thank you!

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Model of the “Old Cheese Dairy” – special care place for the last stretch of life – in Tenna, Switzerland (photo credit:  Tenna Hospice Association)

Einachser der Hospizbewegung in der Schweiz

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Auf dem Weg nach Finisterre (photo credit: Urs & Elisabeth Bläsi)

Das Projekt “Alte Sennerei” in Tenna, Gemeinde Safiental, des Vereins Tenna Hospiz wird ein hochmodernes Gebäude mit hindernisfreiem und pflegegerechtem Wohnraum für gute Betreuung im Alter, Demenzpflege und Palliative Care. Und doch wird das private Projekt in Fachkreisen gerne betrachtet wie der Einachser auf dem Weg zum Ende der Erde.

Das Projekt “Alte Sennerei” ist aus persönlicher Betroffenheit als zivilgesellschaftliche Initiative entstanden. Es schafft im abgelegenen Bergtal, was dutzende von Positionspapieren und Strategien auf nationaler Ebene fordern: gute Betreuung im Alter, erschwinglicher Wohnraum ohne Hindernisse, selbstbestimmtes Leben bis zum letzten Tag, und eine Reduktion der Kosten im Gesundheits- und Sozialwesen.

Das Projekt arbeitet mit einem innovativen Konzept der Synthese von stationärem und ambulantem Hospiz-, Pflege- und Betreuungsangebot. Diese baut auf den gewachsenen sozialen und kulturellen Strukturen und Traditionen auf, die im Safiental lebendig sind. Bestehende regionale Ressourcen (Spitex, Palliativer Brückendienst etc.) werden genutzt und gestärkt, ohne kostspielige Parallel-Dienstleistungen und Infrastruktur (Konkurrenz) zu schaffen.

Der Kerngedanke des Projektes “Alte Sennerei” ist, die Betroffenen und deren pflegenden Angehörigen, gemäss den jeweiligen Bedürfnissen, koordiniert zu unterstützen. Es geht nicht darum, die privaten und freiwilligen Leistungen mit professionellen und spezialisierten Fachkräften zu ersetzen, sondern diese zu ergänzen und anzuerkennen. Die Wohngemeinschaft ist der gelebte Ausdruck dieses integrativen Denkens: denn jede Familie ist ein solches Versorgungsmodell.

Für die Verwirklichung des Bauprojektes benötigt der Verein Tenna Hospiz noch circa eine halbe Million Franken. Das ist ungefähr so viel wie die nächste Fachtagung in Alters-, Demenz- oder Gesundheitsfragen auf nationale Ebene kosten wird, wo 400 Spezialisten weiter beraten, was der Weg sein könnte, um die brennenden Fragen in der bekanntlich verbesserungsfähigen Fachversorgung einer wachsenden Bevölkerungsgruppe zu lösen. Und sie werden vorhersehbar alle zum Schluss kommen: “Wer soll das bezahlen?” und eine weitere Konferenz einberufen.

Der Verein Tenna Hospiz hat ein Spendenkonto bei der Freien Gemeinschaftsbank in 4002 Basel, IBAN CH82 0839 2000 1534 4630 7 (Verein Tenna Hospiz, 7106 Tenna). Ihr Beitrag schafft konkrete Lösungen auf Jahre hinaus für Mitmenschen jeden Alters in ihrem letzten Lebensabschnitt.

Danke!

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“Alte Sennerei”, Tenna – pflegegerechter Wohnraum für den letzten Lebensabschnitt (photo credit: Verein Tenna Hospiz)

Unintentional Land Art

“Wer Augen hat zu sehen” – whoever has the eyes to see

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A few days ago, I opened an exhibition with five photographs of unintentional Land Art captured in Safiental. The show is in the artificial space created by the installation “A Hole in the Alps” near the former cheese dairy in Tenna during the Biennale Art Safiental 2018.

A video by the Swisss public broadcaster SRF about the Biennale Art Safiental 2018 (in German)

The following pictures are part of the show in the Hole: Continue reading “Unintentional Land Art”

Unbeabsichtigte Land Art

“Wer Augen hat zu sehen”

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Seit wenigen Tagen zeige ich fünf Bilder von unbeabsichtigter Land Art im künstlichen Raum, der geschaffen wurde mit der Installation “A Hole in the Alps” bei der ehemaligen Sennerei in Tenna im Rahmen der Biennale Art Safiental 2018.

Ein Videobeitrag des Fernsehen SRF zur Biennale Art Safiental 2018

Folgende Bilder sind Teil der Ausstellung im Loch: Continue reading “Unbeabsichtigte Land Art”

Street Photography

Capturing the Moment

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The Fountain of Enlightenment (2013). (photo credit: Daniel Comte)

Daniel Comte from Zürich has dedicated his life work as a photographer to street photography. At the age of 50, he received the diagnosis “Alzheimer” – a State in which the entire life seems to exist of Moments, because the memories become more and more difficult to access. Daniel has tried, with the help of his son Anatole, to talk about that experience in a Swiss TV interview (in German).

Yesterday, I had to opportunity to wait at one of the Locations of one of Daniel Compte’s well-known shots. I took the chance to capture the moment. Of course, I have used the camera on my smartphone to recapture the scene at the fountain. Daniel Comte, of course, always carries professional camera equipment.

In honour of Daniel and his work, I have edited the picture with use of the software on the same phone, to recreate the mood of Daniel Comte’s black and white images

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Street Photography

Das Flüchtige festhalten

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The Fountain of Entlightenment (2013). (photo credit: Daniel Comte)

Daniel Comte aus Zürich hat sein Lebenswerk als Photograph dem Festhalten des Flüchtigen gewidmet. Im Alter von 50 Jahren erhielt er dann die Diagnose “Alzheimer” – ein Zustand, in dem das ganze Leben flüchtig wird, weil die Erinnerungen immer schwieriger abrufbar werden. Daniel hat mit Unterstützung seines Sohnes Anatole versucht, im Fernsehinterview dazu Stellung zu nehmen.

Gestern hatte ich die Gelegenheit, an einem der Standorte einer solchen Street Photography in Zürich zu warten, und den Moment ebenfalls fest zu halten. Natürlich habe ich das Flüchtige am selben Ort mit der Handycamera geknipst. Im Unterschied zu Daniel Comte, der mit professioneller Kameraausrüstung unterwegs ist.

Zu Ehren von Daniel und seinem Werk habe ich das Bild dann mit Hilfe von Software auf dem Mobiltelefon so bearbeitet, dass das Bild an die Stimmung der Bilder von Daniel Comte erinnert.

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Die Herde des BioHof Casutt auf der Sommerweide. The herd from the BioHof Casutt on the summer range. Waldalp, Safiental, Switzerland.

Klick auf das Bild, um die volle Freiheit des Lebens auf der Alp zu geniessen. Click on the image to enjoy the full freedom of the life on the high alpine summer range.

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Die jüngsten sind auch mit dabei!

Bergsommer

Bergsommer

 

IMG_2042Seit mehreren Jahren wollte ich die Schönheit der Seerosen am “Lotus Teich” bei der Allmeinihütte in Tenna fotografieren. Doch abends sind die Blüten geschlossen, tagsüber das Licht und die Reflektion vom Wasser zu grell oder zu dunkel, und dann habe ich auch selten die richtige Kameramit, um Nahaufnahmen zu machen.

Heute habe ich kurzentschlossen die Hosen runter gelassen, und habe mich in die Teichmitte gewagt für die perfekte Aufnahme. Geniesse mit mir die Ausstrahlung dieser Pflanzen.

For several years, I wanted to share the beauty of the pond lilies at the “lotus pond” above the village of Tenna (altitude 1800 m asl). However, as I go on my walks, it is evening and the flowers are closed, or during the day, the light and the reflection of the water is either too bright or too dark, and I never seem to have the right camera equipment with me, to make a good close up photo.

Today, I spontaneously dropped my pants and walked right to the centre of the pond to go for the perfect shot. Enjoy with me the calming energy of these flowers.

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Veni Creator Spiritus

Pfingsten – Pentecost – Whitsun Sunday

Gregorianischer Pfingstgesang ‘Veni Creator Spiritus’ (Rabano Mauro, 9. Jh.) gesungen anlässlich der SonntagsStille, Pfingsten, 20. Mai 2018 von Othmar Ferdinand Arnold in der Kirche Tenna, Schweiz

Gregorian Chant by Rubano Mauro (9th cent.) ‘Veni Creator Spiritus’, sung by Othmar Ferdinand Arnold on Whitsun Sunday 2018 in the church of Tenna, Switzerland.

Pfingsten ist im Kirchenjahr ein Festtag der alle Menschen, alle Gläubigen daran erinnert, dass alle einen göttlichen Auftrag haben im Leben. Dieser Leistungsauftrag verlangt von einem jeden Menschen, Feuer und Flamme zu sein für das, woran er oder sie als Einzelne und als Gemeinschaft glauben, für unsere tiefsten Überzeugungen.

Aus kirchlicher Sicht wird dieser Auftrag in der Verkündigung der biblischen Botschaft wahrgenommen. Für andere Menschen geschieht diese Verkündigung durch ein achtsames Leben im Dienste der Nächsten: “Predige die frohe Botschaft immerzu – im Notfall brauche auch Worte”, ein Zitat, das Franz von Assisi zugesprochen wird.

Das Pfingstfest erinnert uns auch daran dass wir als Menschen trotz aller Diversität unzertrennlich zusammengehören, uns verstehen können, und einen gemeinsamen göttlichen Auftrag haben.

Pentecost is a feast day that reminds all people, all believers, that we do have a spiritual mission in life. This divine service order calls every person to be a fiery witness for their faith, for their deepest convictions, as individuals as well as a community.

From the church’s point of view, this mission is fulfilled in the proclamation of the biblical message. For other people this proclamation is made through a mindful life in the service of one’s neighbor: “Preach the good news all the time – in an emergency also need words”, a quotation attributed to Francis of Assisi.