Muttertag – und was dahinter steckt

Erhebt euch, alle Frauen die Herzen haben, egal ob ihr mit Wasser oder mit Tränen getauft seid! Sagt deutlich: Wir werden die grossen Fragen nicht durch irrelevante Gremien entschieden haben. (J. W. Howe, 1870)

Another Mother's Day in the name of peace (photo credit: AP Photo/Sunday Alamba)
Ein weiterer Muttertag für eine friedlichere Welt (photo credit: AP Photo/Sunday Alamba)

Vergesst die Blumen, die Pralinen, die überteuerten Karten mit aufgedruckten Standartfloskeln. Die oft übersehenen oder nicht ernst genommenen Anliegen und Beiträge der Mütter in aller Welt sind von höchster politischer und sozialer Relevanz. 

Der folgende Appell ist eine der Grundlagen für einen offiziellen Feiertag zur Ehren der Mutter: Darin geht es nicht um romantisierende Vorstellungen oder um eine Vermarktung im Namen des uneingeschränkten Profites! Die Dringlichkeit, die Mütter als Bewahrerinnen des Friedens an zu erkennen und ihnen dazu eine Stimme zu verleihen, hat seither nicht abgenommen. 

APPELL AN DIE FRAUEN IN ALLER WELT.

An early attempt to establish a Mother's Day by Julia Ward Howe (photo credit: US Library of Congress)
Ein früher Versuch von Julia Ward Howe für die Erhörung der friedensfördernden Anliegen der Frauen und Mütter.
(photo credit: US Library of Congress)

“Und wieder haben, vor den Augen der christlichen Welt, zwei grosse Nationen ihre Fähigkeiten und ihre Macht im gegenseitigen Morden erschöpft. Wieder wurden die heiligen Fragen der internationalen Justiz der tödlichen Vermittlung durch militärische Waffen hingegeben. An diesem Tag des Fortschrittes, in diesem Jahrhundert des Lichtes, wurde dem Ehrgeiz der Herrschenden  erlaubt die liebenden Interessen des häuslichen Lebens mit den blutigen Austauschen auf dem Schlachtfeld zu ersetzten. So haben es die Männer gemacht. So werden es die Männer machen. Doch die Frauen müssen nicht mehr länger einbezogen werden in diese Vorgänge welche die Welt mit Trauer und Entsetzen erfüllen. Trotz der Vorgabe von physischer Gewalt hat die Mutter ein heiliges und bestimmendes Wort zu sagen an ihre Söhne, die ihr Leben ihrem Leiden verdanken. Das Wort sollte nun gehört werden, und darauf sollte eine Antwort folgen wie nie zuvor.

Erhebt euch, denn, christliche Frauen dieses Tages! Erhebt euch, alle Frauen die Herzen haben, egal ob ihr mit Wasser oder mit Tränen getauft seid! Sagt deutlich: Wir werden die grossen Fragen nicht durch irrelevante Gremien entschieden haben. Unsere Gatten müssen nicht zu uns kommen, stinkend vom Gemetzel, um Zärtlichkeiten und Applaus zu ernten. Unsere Söhne müssen nicht von uns genommen werden um all das zu verlernen was wir fähig waren ihnen an  Nächstenliebe, Barmherzigkeit, und Geduld zu vermitteln. Wir, die Frauen eines Landes, werden zu warmherzig sein gegenüber denen eine anderen Landes, um es zu zu lassen, dass unsere Söhne dazu ausgebildet werden, ihre zu verletzen. Aus dem Schoss der verwüsteten Erde geht eine Stimme hoch mit der unsrigen. Sie sagt: Entwaffnet, entwaffnet! Das Mörderschwert ist nicht die Waage der Gerechtigkeit. Blut löscht nicht Schmach aus, und Gewalt rechtfertigt keinen Besitz. So wie Männer oft den Pflug und den Amboss verlassen haben um dem Ruf des Krieges zu folgen, lasst Frauen all das zurück zu lassen was im Hause ansteht für einen grossen und ersthaften Tag der Beratung.

Lasst sie erst als Frauen zusammen zu kommen, um die Toten zu beklagen und ihnen zu gedenken. Lasst sie dann feierlich gegenseitig beraten über die Mittel mit denen die grosse Familie der Menschen in Frieden leben kann, der Mensch als Bruder des Menschen, jeder in seiner Art einen heiligen Eindruck von Gott, und nicht von Cäsar, bewahrend.

Im Namen der Frauseins und der Menschlichkeit bitte ich inständig ein allgemeiner Frauenkongress, ohne Einschränkung durch  Nationalität, ein zu berufen und an einem geeigneten Ort ab zu halten, und zum frühesten Zeitpunkt vereinbar mit seinem Ziel, eine Allianz der verschiedenen Nationalitäten, die freundschaftliche Lösung von internationale Fragen, das grosse und allgemeine Interesse des Friedens, zu fördern.

JULIA WARD HOWE.

Boston, September, 1870.

(eigene Übersetzung)

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