Fachkräftemangel vs. geweihtes Leben

Fachkräftemangel vs. geweihtes Leben

Was spricht dagegen in der heutigen Zeit ein geweihtes Leben zu führen? Geweiht dem Leben, nicht einer kirchlichen Organisation.

Ich bin in einem christlich geprägten Umfeld aufgewachsen und sozialisiert worden. Ich anerkenne diese Wurzeln meiner Erfahrung, meines Handelns und meiner Entscheidungsfindung als Teil von mir in dieser Welt. Ich anerkenne gleichzeitig, dass das christliche Gedankengut eine von verschiedenen Weltanschauungen und Gottesbilder ist. Denn das Göttliche ist universell und zeigt sich in jeder Kultur und kann entsprechend wahrgenommen werden von allen Menschen – in vielfältiger Art.

Es ist auch eine Kernaussage meines quäkerischen Glaubensverständnis, dass der göttliche Funke in jedem Menschen präsent ist. Die Schwierigkeit liegt einzig in der Offenheit und der Neugier, diesen Funken sehen zu wollen.

Ich lasse mich auch nicht ablenken von den Strömungen der spirituellen Streckübungen, die heute als Religionsersatz anerkannt werden. Nicht von der Beliebigkeit der Glaubenssätze, die wie Rechtfertigungen des jeweiligen Lebensentwurfes in der Konsumgesellschaft erscheinen. Wohlstandsevangelium – Endlossschlaufe der Sinnsuche in Retreats, Workshops und Pilgerreisen um den ganzen Globus – Wunderheilungen durch Superfoods, Körperkult in Spandex, Medikamente und komplementäre Therapien – kurze Achtsamkeitssession vor der nächsten Cüplirunde im globalen Casino!

Es zieht mich hin zur Wurzel, in die Radikalität. Deshalb habe ich in dieser komplexen Welt nichts besseres zu tun als meine Mitbewohner am Morgen zu begrüssen, die genässten Pants zu wechseln, das Treppenhaus zu saugen, zum siebzehnten Mal den Briefkastenschlüssel erklären – gemeinsam den Alltag zu bewältigen. Mein Leben dem Leben und der Mitmenschlichkeit zu weihen. Da sehe ich mich schon fast mitschuldig am heute vielbesungenen Fachkräftemangel in unserer Wirtschaft.

Natürlich helfen mir die akademischen Qualifikationen und Diplome mich in dieser Welt zu bewegen und ein einfaches Leben darin zu ermöglichen. Nebst der Kontemplation ermöglicht mein analytisches Denken und eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mir mit der Fülle von Informationen umzugehen – auch das Wesentliche vom Überflüssigen zu trennen: Aktienkurse, Sportmeldungen, Lifestyleempfehlungen auszublenden um die notwenige Ruhe und Stille zu wahren, die es mir erst möglich macht, die göttliche Stimme – diese universellen Zeichen des Existentiellen – wahr zu nehmen, ernst zu nehmen und umzusetzen für einen Ansatz eines geweihten Lebens in einer säkularen Gesellschaft.

One thought on “Fachkräftemangel vs. geweihtes Leben

  1. Ich hoffe, dass du erkennst was dieser Beitrag zu tun hat mit dem Krieg in der Ukraine, Klimawandel und Pandemien! Jede achtsame Handlung ist besser als ein überzeugend formuliertes Lamento über die Übel dieser Welt! Lebe die Veränderung welche du erhoffst für die Welt.

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