The (personal) impact of working with Doctors without Borders (+de)

Community mobilization and health education during a malnutrition crisis in Babalmé/Chad
Community mobilization and health education during a malnutrition crisis in Babalmé/Chad

The following article has just been published this week in The Canadian Friend, 108(5) p.13 , a publication of the Canadian Yearly Meeting of the Religious Society of Friends. You can find the current and many back issues online: The Canadian Friend.

Für eine deutsche Übersetzung klicke hier:
Arbeiten mit Ärzte ohne Grenzen – der Einfluss auf mein persönliches Leben

Médecins Sans Frontières / Doctors Without Borders in Chad

by Othmar F. Arnold

I have been asked: “How did this service work change me? What impact did the experiences have on my life?”

I must acknowledge that I have not been working as a nurse since that time. I am not the same person as before the mission. A major shift began in my life several years ago. I was called back to my roots, to become radical again, and there were other factors enabling a mid-life reorientation

My children were growing up and becoming more and more independent. Though the high-paying nursing work in Nunavut enabled me to liberate myself from financial obligations accumulated over the years, I was becoming less and less convinced by the direction nursing was going.

Within the contemporary health care system, nursing is being pushed more and more into a transactional relationship between care giver and receiver. What had initially appealed to me in nursing however, was its relationship-based focus, not separating life and work.

Volunteering with Médecins Sans Frontières (MSF) was an expression of my desire not to separate work and life. It also became a fulfillment of my childhood promise that “one day I will go and do my part to help the starving children”. That promise was made when I saw the unforgettable media images from the Biafra conflict, more than forty years ago. The same conflict led to the foundation of MSF as an independent international humanitarian organization that would respond to medical emergencies and witness in difficult contexts.

The mission with MSF confirmed several concepts that are integral to my understanding of being radical:

I refuse to live in and with fear.

I don’t have to be afraid of strange people and strange circumstances. Working in a Muslim society and culture, within a country with a less than stellar record of political stability and security, was no different from working in Canada. I must have the openness to encounter every human being as unique, and willingness to enter into an appropriate relationship. I must understand the systems and cultures I work in: MSF – a powerful humanitarian organization; the Chadian health care system; the local political structures that intersect strongly with religious authorities; a fundamental Islamic society (similar to understanding the nursing culture in North America); the corporate culture of a particular health care facility or service; the globalized, neo-liberal policies and capitalist-consumerist ideology, that touches and tries to penetrate every aspect of our lives in Canada.

I don’t have to be afraid of the future.

I am convinced that if I do good now, the favour will be returned in due course – not as a this-for-that transaction, but from a much larger pool of ‘karma’. The experiences in Chad have confirmed for me the validity of these assumptions and beliefs. Many people there have nothing, don’t know what they will survive on tomorrow, but share everything they have to welcome a stranger today! I don’t need the same level of fiscal security that I enjoyed before setting off on the mission with MSF. I have consciously chosen to live with an annual income near the Canadian poverty line. I don’t seek insurance for this and that. I would rather build the confidence that I will be taken care of when needs arise.

I don’t have to be afraid of missing out.

Experiences in Chad have confirmed my trend to simplify life and limit my worldly and material possessions. Semi nomadic people must carry only the things they truly need. For me, it is a choice. For many people I encountered, simplicity is not a choice to consider. For me it is a choice and a liberating exercise to scrutinize all that is taken for granted in my life. For example, I don’t do exercise for my health, but I walk to and from the places I need to go. It is a gift to make the best of what one has – an attitude that can be put in action even if one has nothing.

My approach to time has shifted. If I do what I need to do and what I am called to do, there is plenty of time in my life for many other activities. I don’t feel the compulsion to be part of every initiative to save the world. I discern very carefully what my direct action and contribution is, and needs to be. Social justice and environmental action is no longer a programmatic activity; it has become a lifestyle. Now I can experience daily life as direct action, and can observe or feel the immediate impact.

My experiences in Chad strengthened me to live more radically. It also confirmed my need to search for community. This has led me to apply for membership with the Religious Society of Friends.

Othmar F. Arnold, Whitehorse Worship Group

German translation – deutsche Übersetzung:

Arbeiten mit Ärzte ohne Grenzen – der Einfluss auf mein persönliches Leben

Ich wurde gefragt: “Wie hat mich die Arbeit in der medizinischen Nothilfe verändert? Welche Auswirkungen haben die Erfahrungen auf mein Leben? “

Ich muss zugeben, dass ich seit meiner Rückkehr nicht im Pflegeberuf gearbeitet habe. Ich bin nicht die gleiche Person wie vor dem Einsatz. Eine größere Veränderung in meinem Leben begann vor einigen Jahren. Ich fühlte mich berufen mich meiner Wurzeln zu besinnen und wieder radikaler zu werden. Es gab auch andere Faktoren die eine Neuausrichtung in der Lebensmitte ermöglichten.

Meine Kinder sind nun erwachsen und zunehmend unabhängig. Obwohl die gutbezahlte Pflegearbeit in Nunavut es mir ermöglichte, mich von finanziellen Verpflichtungen die sich über die Jahre ansammelten zu befreien, war ich immer weniger davon überzeugt, von der Richtung in der die Pflegearbeit ging.

Innerhalb des heutigen Gesundheitswesens wird die Pflegearbeit mehr und mehr eine Transaktion zwischen Pflegenden und Gepflegten. Was mich ursprünglich an der Krankenpflege faszinierte, war ein Fokus auf Beziehungsarbeit, eine reduzierte Trennung von Leben und Arbeit.

Freiwilligenarbeit mit Ärzte ohne Grenzen (MSF) war auch ein Ausdruck meiner Sehnsucht das Leben und die Arbeit nicht zu trennen. Zusätzlich wurde es eine Erfüllung meines Kindheitsversprechens, dass ich “eines Tages meinen Teil dazu beitragen werde um den hungernden Kindern zu helfen.” Dieses Versprechen wurde gemacht, als ich vor mehr als vierzig Jahren die unvergesslichen Bilder aus dem Biafra in den Zeitungen sah. Der gleiche Konflikt führte zur Gründung von Ärzte ohne Grenzen (MSF) als unabhängige internationale humanitäre Organisation, die medizinischen Nothilfe leisten und auf humanitäre Missstände aufmerksam machen würde.

Der Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen (MSF) bestätigte mehrere Vorstellungen, die wichtige Bestandteile meines Verständnisses von Radikalität sind:

Ich weigere mich, in und mit Angst leben.

Ich habe keine Angst vor fremden Menschen und ungewohnten Umständen. Arbeit in einer muslimischen Gesellschaft und Kultur, in einem Land mit einer weniger als perfekten Geschichte von politischer Stabilität und Sicherheit, war nicht anders als Arbeit in Kanada. Ich muss die Bereitschaft haben, jedem Menschen als einzigartiges Wesen zu begegnen, und ebenso die Bereitschaft, eine angemessene Beziehung einzugehen. Ich muss die Systeme und Kulturen in denen ich arbeite kennen lernen: MSF – ein mächtige humanitäre Organisation; das tschadische Gesundheitswesen; die lokalen politischen Strukturen und die starken Verflechtungen mit religiösen Autoritäten; eine fundmentale islamische Gesellschaft; die Kultur der Pflegeberufe in Nordamerika; die Unternehmenskultur von bestimmten medizinischen Einrichtung und Diensten; die globale, neoliberale Weltanschauung und kapitalistische Konsumideologie, die versucht jeden Aspekt unseres Lebens in Kanada zu durchdringen.

Ich muss keine Angst haben vor der Zukunft.

Ich bin überzeugt, dass, wenn ich jetzt Gutes tue, dass mir das zu gegebener Zeit erwidert wird – nicht als Rückerstattung, sondern in einem viel größeren Rahmen den man “Karma” nennen kann. Die Erfahrungen im Tschad haben für mich diese Annahmen und Vorstellungen bestätigt. Viele Menschen dort haben nichts, und sie wissen nicht, wie sie morgen überleben. Trotzdem teilen sie alles, was sie haben, um einen Fremden zu begrüßen! Ich brauche nicht mehr das gleiche Niveau der finanziellen Sicherheit, dass ich vor dem Einsatz mit MSF genossen habe. Ich habe bewusst gewählt, um mit einem Jahreseinkommen in der Nähe der kanadischen Armutsgrenze zu leben. Ich brauche keine Versicherung für dieses und jenes. Ich baue lieber auf das Vertrauen, dass für mich bei Bedarf gesorgt wird.

Ich muss keine Angst haben etwas zu verpassen.

Die Erfahrungen im Tschad haben meinen Ansatz bestätigt, das Leben zu vereinfachen und meine weltlichen und materiellen Besitztümr zu begrenzen.  Nomaden führen nur die Dinge mit sich, die sie wirklich brauchen. Für mich ist das eine Wahl. Für viele Menschen, denen ich begegnet bin ist diese Einfachheit nicht etwas das sie sich gönnen können. Für mich ist es eine Wahl und etwas Befreiendes, das mir erlaubt das Selbstverständliche in meinem Leben zu hinterfragen. Zum Beispiel, ich glaube nicht dass ich Fitness machen muss für meine Gesundheit; dafür bin ich zu Fuss unterwegs, wo immer ich hingehen muss. Es ist eine Gabe, das Beste aus dem zu machen was man hat – eine Haltung, die in die Tat umgesetzt werden kann, auch wenn man nichts hat.

Mein Umgang mit Zeit hat sich verändert. Wenn ich tue, was notwendig ist und wozu ich berufen bin, gibt es genügend Zeit in meinem Leben für viele andere Aktivitäten. Ich fühle mich nicht gezungen Teil an jeder Initiative mit zu machen, um die Welt zu retten. Ich versuche mit Vorsicht zu erkennen, wo ich mich engagiere und was mein Beitrag ist und sein muss. Soziale Gerechtigkeit und ökologische Lebensweise sind nicht mehr nur Absicht: sie sind zu einem Lebensstil geworden. Jetzt kann ich das Alltagsleben als direkten Einsatz einleben, dessen unmittelbaren Auswirkungen ich beobachten oder fühlen kann.

Meine Erfahrungen im Tschad bekräftigten mich radikaler zu leben. Ich wurde auch in meinen Bedürfnis bestägt, nach einer Gemeinschaft zu suchen. Dies hat mich dazu veranlasst, die Mitgliedschaft in der Religiösen Gesellschaft der Freunde zu beantragen.

If you are interested more about my journey toward membership in the Religious Society of Friends, here are some other posts that speak to that journey:

Becoming a Quaker in a fragmented world

Victoria Friends Meeting

And here is another person’s blog about finding God and her journey of becoming Quaker that I find stimulating to read: Finding God in 365 days.

4 thoughts on “The (personal) impact of working with Doctors without Borders (+de)

  1. It is wonderful to read about the transformative effects of your experience in Chad and I feel honoured to be a witness to these changes as they continue to unfold in your life.

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