Betrachtung zur Fastenzeit #1

Passionszyklus (Garten Gethsemane), Kirche Tenna, GR, um 1408, unbekannter Künstler
Passionszyklus (Garten Gethsemane), Kirche Tenna, GR, um 1408, unbekannter Künstler

Einer schwitzt, sorgt und fürchtet sich. Die anderen sind ganz nahe, doch sie schlafen – selbstzufrieden, sich in Sicherheit wähnend, das Schwert bei Fuss.

  • Wie oft wende ich mich ab im Alltag von bedürftigen Menschen, von Menschen die in Unsicherheit leben, die sich Sorge machen um ihr Wohlergehen, um ihre Zukunft?
  • Wie viele Leute in meinem Umkreis kenne ich, die Mühe haben es finanziell zu schaffen, sich zurecht zu finden mit den immer höher werdenden Anforderungen in der heutigen Konsum- und Leistungsgesellschaft?
  • Wie oft bin ich mit mir selber zufrieden, obwohl ich sehe und erkenne wie viel Elend und Mühsal um mich herum in der Welt existiert?
  • Wie oft habe ich jemanden darauf hingewiesen, dass der Mensch der Schmied seines eigenen Glücks sein muss – nur um mich aus der Verantwortung einer solidarischen Haltung zu lösen?
  • Habe ich nicht immer wieder die Erwartung, dass ich in meinen Aufgaben Unterstützung brauche und auch ein Recht dazu habe durch die Gemeinschaft getragen zu werden wenn ich in Schwierigkeiten bin?

Diese Szene aus dem Passionszyklus in der Kirche Tenna zeigt einen demütigen Jesus und drei schlafenden, selbstzufriedenen Jünger. Er hat das schwerste Los zu tragen; er fürchtet sich vor den Konsequenzen seiner Berufung (oder seiner Bestimmung). Er scheint mit einer höheren Kraft in Kontakt, bittend, aber mit offenen Sinnen dem Auftrag klar entgegen schauend. Jesus drückt keine Spur von Ärger über sein ihm bekannten Schicksal aus; er scheint sich aber zu sorgen ob er seiner schweren Aufgabe (symbolisiert durch den Kelch) auch gewachsen sei. Trotz der unmittelbaren Nähe ist er abgesetzt von den schlafenden Jüngern. Er lässt sie ungestört und beharrt nicht auf ihre Unterstützung mit seiner Not.

Ich habe immer wieder beobachtet im Leben, dass die Leute die am wenigsten privilegiert sind in unserer globalen Gesellschaft oft am wenigsten Ansprüche stellen. Auch habe ich immer wieder ein höheres Mass an Zufriedenheit gefunden in Bevölkerungen, denen es nach unseren Einschätzungen eindeutig schlecht geht. Die Menschen im Tschad haben nicht geklagt, wenn sie kilometerweise durch die Wüste gehen mussten, um Wasser zu holen. Sie fühlten sich nicht benachteiligt, wenn es jeden Tag Reis oder Hirse gab, manchmal mit getrockneten Dattel. Sie hatten eine demütige Haltung und versuchten, mit dem was ihnen zur Verfügung stand, das beste zu machen um ihre Bedürfnisse zu befriedigen.

Ich finde es eine Gabe, mit wenig zufrieden zu sein und demütig eine Aufgabe an zu nehmen, auch wenn ich genau weiss, dass diese Aufgabe mir nicht leicht fallen wird. Angenehmer ist es, wenn sich solche Aufgaben teilen lassen um die Bürden des Lebens gemeinsam zu tragen. Daher will ich wachsam sein und meinen Mitmenschen Unterstützung anbieten wenn ich sehe, dass sie sich mühen oder sich fürchten vor einer Aufgabe.

Hier noch die Textstelle aus der Bibel die in der oben stehenden Szene dargestellt ist:

Jesus in Gethsemane (Lukas 22:39-46)

39 Und er ging hinaus nach seiner Gewohnheit an den Ölberg. Es folgten ihm aber seine Jünger nach an den Ort. 40 Und als er dahin kam, sprach er zu ihnen: Betet, auf daß ihr nicht in Anfechtung fallet!
41 Und er riß sich von ihnen einen Steinwurf weit und kniete nieder, betete 42 und sprach: Vater, willst du, so nehme diesen Kelch von mir, doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe! 43 Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. 44 Und es kam, daß er mit dem Tode rang und betete heftiger. Es ward aber sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde.
45 Und er stand auf von dem Gebet und kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafen vor Traurigkeit 46 und sprach zu ihnen: Was schlafet ihr? Stehet auf und betet, auf das ihr nicht in Anfechtung fallet!

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Die weiteren Betrachtungen zu den zehn Szenen, die im Verlauf der Fastenzeit publiziert werden, können hier gefunden werden: Betrachtungen zur Fastenzeit

Hier ist noch der ganze Zyklus im Zusammenhang:

(photo credit: Foto-Kunst Andreas Keller, kirchen-online.org)

One thought on “Betrachtung zur Fastenzeit #1

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