Betrachtung zur Fastenzeit #9

Passionszyklus (Beweinung am Kreuz), Kirche Tenna, GR, um 1408, unbekannter Künstler
Passionszyklus (Beweinung am Kreuz), Kirche Tenna, GR, um 1408, unbekannter Künstler
Passionszyklus (Grablegung), Kirche Tenna, GR, um 1408, unbekannter Künstler
Passionszyklus (Grablegung), Kirche Tenna, GR, um 1408, unbekannter Künstler

Die beiden Bilder zeigen die Kreuzigung und Grablegung Jesu. Die Leute, die direkte Zeugen werden von den tragischen Ereignissen der Karwoche, scheinen mehr besinnlich und trauernd, aber sicher nicht aufgebracht oder wütend.

  • Wie weit habe ich eine Opferbereitschaft wenn es um das Allgemeinwohl geht und nicht um persönliche Vorteile und Bequemlichkeiten?
  • Weshalb gelingt es mir nicht, andern das Leiden zu ersparen, ihr Schicksal zu verändern?
  • Was bringt mich dazu mich am Schaden Anderer zu freuen und zu ergötzen?
  • Was für ein Bild mache ich mir vom Sterben und dem Tod?

Diese Szenen aus dem Passionszyklus in der Kirche von Tenna zeigen die Beweinung Jesu am Kreuz und die Grablegung des Hingerichteten. Kein Geheule und Gejammer. Dafür rege Anteilnahme und Aufmerksamkeit. Ich schätze diese Darstellung weil der Tod an und für sich nicht als Katastrophe dargestellt wird: Die ungerechte Behandlung Jesu, den Verrat, die Verleumdung, der Scheinprozess, die Verhöhnung sind beklagenswert.

Ich bin auch schon mit sinnlosen Sterben konfrontiert worden. Noch immer gibt es Menschen, die “Mein Gott, warum hast du mich verlassen” schreien. Täglich werden Mitmenschen ungerecht behandelt, verhöhnt, verraten, wird ihnen Gewalt angetan. Ich will diesen Menschen beistehen, auch wenn dies für mich eine eher unangenehme Erfahrung ist, oder gar Entbehrungen mit sich bringt.

Denn beistehen kann ich den Leidenden dieser Erde nicht nur mit humanitären Einsätzen; sondern vielmehr dadurch, dass ich einen Weg suche, der nicht die Ungerechtigkeiten und die Gewalt weiter vervielfacht. Es sind meine alltäglichen Handlungen, die weiter dazu beitragen oder den Druck verringern!

Früher wollte ich die Welt nach meinen Vorstellungen verändern, ja verbessern. Das ist ein in sich arroganter Anspruch. Heute möchte ich in erster Linie Mitmenschen begleiten, ihren Weg durch das Leben zu finden, und ihnen auch im Sterben bei zu stehen. Ich hoffe, dass ich die Ruhe dazu finde, so wie es der Freskenmaler von Tenna schon vorgezeichnet hatte.

Hier noch die Textstelle aus der Bibel die in der oben stehenden Szene dargestellt ist:

Jesu Tod (Johannes 19:25-27)

25 Es stand aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, des Kleophas Weib, und Maria Magdalena. 26Da nun Jesus seine Mutter sah und den Jünger dabeistehen, den er liebhatte, spricht er zu seiner Mutter: Weib, siehe, das ist dein Sohn! 27 Darnach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

Jesu Grablegung (Lukas 23:50-56)

50 Und siehe, ein Mann mit Namen Joseph, ein Ratsherr, der war ein guter, frommer Mann 51 und hatte nicht gewilligt in ihren Rat und Handel. Er war von Arimathia, der Stadt der Juden, einer, der auch auf das Reich Gottes wartete.  52 Der ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu; 53 und nahm ihn ab, wickelte ihn in Leinwand und legte ihn in ein gehauenes Grab, darin niemand je gelegen hatte. 54 Und es war der Rüsttag, und der Sabbat brach an.
55 Es folgten aber die Weiber nach, die mit ihm gekommen waren aus Galiläa, und beschauten das Grab und wie sein Leib gelegt ward.56 Sie kehrten aber um und bereiteten Spezerei und Salben. Und den Sabbat über waren sie still nach dem Gesetz.

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Die weiteren Betrachtungen zu den zehn Szenen, die im Verlauf der Fastenzeit publiziert werden, können hier gefunden werden: Betrachtungen zur Fastenzeit

Hier ist noch der ganze Zyklus im Zusammenhang:

(photo credit: Foto-Kunst Andreas Keller, kirchen-online.org)

One thought on “Betrachtung zur Fastenzeit #9

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