Betrachtung zur Fastenzeit #5

Passionszyklus (Dornenkrönung), Kirche Tenna, GR, um 1408, unbekannter Künstler
Passionszyklus (Dornenkrönung), Kirche Tenna, GR, um 1408, unbekannter Künstler

Ein vornehm gewandeter Mann thront im Mittelpunkt, umgeben von zwei Helfern die ihm Stangen auf das Haupt drücken. Weder der Mann in der Mitte, noch die tanzenden Akteure am Rand scheinen wohl zu sein.

  • Wie und warum brauche ich Zynismus und Sarkasmus im Umgang mit meinen Mitmenschen?
  • Woher kommt die Tendenz Menschen ein zu teilen in verallgemeinerte Gruppen (z.B. “Ausländer”), anstatt jeden Menschen als einzigartig zu erkennen?
  • Wie weit bin ich mir bewusst, mein Gegenüber nicht im Lichte der eigentlichen Handlungen und Haltungen zu sehen, sondern als Stereotyp wahr zu nehmen.

Diese Szene aus dem Passionszyklus in der Kirche von Tenna zeigt Jesus in ungewohntem Gewand. Er ist nicht mehr entkleidet oder trägt sein bescheidenes Gewand. Er ist vielmehr in ein schimmerndes, wallendes Gewand gehüllt. Närrisches Treiben umgibt ihn und gemäss der überlieferten Geschichte wurde ihm zum Spott auch eine Krone aufgesetzt. Doch die Helfer wissen, dass diese Krone aus dornigem Geäst geflochten ist und behelfen sich mit langen Stäben um diese auf zu setzen. Sie wollen sich am Hohn nicht selber verletzen.

Wenn wir Leute, mit denen wir uns nicht verstehen, beschreiben oder beurteilen, rücken wir uns selber immer ausserhalb des Bereichs wo wir selber betroffen sein könnten. Die Ausländer und Einwanderer sind schuld, dass in der Schweiz die Strassen verstopft sind und dass keine bezahlbare Wohnungen zu finden sind. Wir finden alle möglichen Fehler an jenen die anders sind; mit dem Vorteil, dass damit wir uns nicht mitverantwortlich sehen müssen für soziale Spannungen und ökonomische Entwicklungen.

Ich finde es wichtig, dass wir uns jederzeit als Beteiligte und Betroffene sehen. Wenn mich die Dornen stechen und es mir weh tut, so weiss ich doch genau, dass der Andere auch den Schmerz verspüren muss. Da nützen auch die geschicktesten Hilfsmittel nicht, dieses Leiden zu verhindern.

Hier noch die Textstelle aus der Bibel die in der oben stehenden Szene dargestellt ist:

Jesu Verurteilung und Verspottung (Matthäus 27:27-30)

27 Da nahmen die Kriegsknechte des Landpflegers Jesus zu sich in das Richthaus und sammelten über ihn die ganze Schar 28 und zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel an 29 und flochten eine Dornenkrone und setzten sie auf sein Haupt und ein Rohr in seine rechte Hand und beugten die Knie vor ihm und verspotteten ihn und sprachen: Gegrüßet seist du, der Juden König! 30 und spieen ihn an und nahmen das Rohr und schlugen damit sein Haupt

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Die weiteren Betrachtungen zu den zehn Szenen, die im Verlauf der Fastenzeit publiziert werden, können hier gefunden werden: Betrachtungen zur Fastenzeit

Hier ist noch der ganze Zyklus im Zusammenhang:

(photo credit: Foto-Kunst Andreas Keller, kirchen-online.org)

One thought on “Betrachtung zur Fastenzeit #5

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