Mutige Worte aus der Chefetage

Anstelle von Nettigkeiten und Belanglosigkeiten, hat Franziskus, Bischof von Rom, mit seiner Führungselite eine ehrliche Einschätzung der Situation geteilt. Ich denke, die folgenden Worte sind auch für die Gesellschaft von heute durchaus treffend.

Artwork by Niki  de Saint Phalle at the Grotto at the Royal Herrenhäuser Gardens in Hannover, Germany.
Artwork by Niki de Saint Phalle at the Grotto at the Royal Herrenhäuser Gardens in Hannover, Germany.
  1. Die Krankheit, sich für unsterblich oder unverzichtbar zu halten

„Eine [Organisation], die nicht zur Selbstkritik fähig ist, die sich nicht erneuert, die nicht versucht, sich zu verbessern, ist ein kranker Leib“. Dies sei die Krankheit derer, die sich in Herren verwandelten und sich über allen und nicht im Dienst aller fühlten. Diese Krankheit entstamme oft der „Pathologie der Macht“, dem „Komplex, sich erwählt zu fühlen“, dem Narzissmus.

  1. Die Krankheit des exzessiven Tätigseins

Der Papst nannte diese Krankheit den „Marta-ismus“, Krankheit all derer, die sich wie Marta der Arbeit ergeben und unvermeidlich „das Bessere“ vernachlässigen: sich zu Füßen Jesu zu setzen.

  1. Die Krankheit der „mentalen und spirituellen Versteinerung“

Dies sei die Krankheit jener, die die innere Ruhe, die Lebhaftigkeit und den Wagemut verlören und sich hinter dem Papier versteckten und so zu „Maschinen der Akten“ würden und nicht zu Männern Gottes, „unfähig, mit denen zu weinen, die weinen, und sich mit denen zu freuen, die sich freuen“.

  1. Die Krankheit der exzessiven Planung

Es handle sich dabei um die Krankheit, wenn ein Apostel alles ganz genau plane und meine, dass er so die Dinge effektiv vorwärtsbringe, aber zu einem Buchhalter oder zu einem Steuerberater werde. Daher sei es zwar notwendig, alles gut vorzubereiten, aber nie der Versuchung zu verfallen, die Freiheit des Heiligen Geistes lenken zu wollen.

  1. Die Krankheit der schlechten Koordinierung

Dies sei die Krankheit derer, die die Gemeinschaft untereinander verlören, so dass der Leib seine harmonische Funktionalität verliere, mit dem Ergebnis, ein Orchester zu sein, das nur Lärm produziere, da die Mitglieder der Gemeinschaft nicht zusammenarbeiteten.

  1. Die Krankheit des „geistlichen Alzheimers“

Der „geistliche Alzheimer“ sei der fortschreitende Niedergang der spirituellen Fakultäten, was im Menschen eine große Behinderung verursache, da er so in absoluter Abhängigkeit von seinen oft eingebildeten Vorstellungen lebe.

  1. Die Krankheit der Rivalität und der Eitelkeit

„Wenn der Schein, die Farben der Gewänder und die Zeichen der Ehre das primäre Ziel des Lebens werden… Das ist die Krankheit, die dazu führt, falsche Männer und Frauen zu sein und einen falschen ‚Mystizismus’ und einen falschen ‚Quietismus’ zu leben“.

  1. Die Krankheit der existentiellen Schizophrenie

Diese Krankheit ist für Franziskus die Krankheit derer, die ein Doppelleben führten, „Frucht der Heuchelei, die typisch ist für die mittelmäßige und fortschreitende geistliche Leere, die Studienabschlüsse und Titel nicht füllen können“. Diese Krankheit betreffe oft jene, die den pastoralen Dienst aufgäben, sich auf Bürokratisches beschränkten und so den Kontakt mit der Wirklichkeit, mit den konkreten Menschen verlören. So suchten diese Personen eine Parallelwelt, in der sie alles beiseite legten, was sie die anderen streng lehrten, und führten ein geheimes und oft liederliches Leben.

  1. Die Krankheit des Geschwätzes und des Klatsches

Diese Krankheit lasse den Menschen zum Säer von Unkraut werden, wie dies der Satan tue, und in vielen Fällen zu „kaltblütigen Mördern“ des guten Rufs der Mitbrüder und Kollegen. Es handle sich im die Krankheit der feigen Menschen, denen es am Mut fehle, direkt mit einem zu reden, so dass sie dies hinter seinem Rücken täten: „Hüten wir uns vor dem Terrorismus des Geschwätzes!“

  1. Die Krankheit, die Oberen zu vergöttlichen

Die Krankheit derer, die die Oberen zu hofieren, der Opfer des Karrierismus und Opportunismus. Diese Menschen lebten den Dienst allein im Gedanken an ihren Vorteil, inspiriert „vom eigenen fatalen Egoismus“. Diese Krankheit könne auch die Oberen betreffen, wenn diese „einige Mitarbeiter hofieren, um deren Unterwerfung, Treue und psychologische Abhängigkeit zu erlangen. Doch das Endergebnis ist eine richtiggehende Komplizenschaft“.

  1. Die Krankheit der Gleichgültigkeit gegenüber den anderen

Dies sei die Krankheit dessen, der nur an sich selbst denkt und die Aufrichtigkeit und Wärme in den zwischenmenschlichen Beziehungen verliere. So führten Eifersucht und angebliche Schläue dazu, dass man Freude empfinde, wenn man sehe, wie der andere falle, statt ihm beim Aufstehen zu helfen.

  1. Die Krankheit des „Gesichts wie bei einer Beerdigung“

Es handelt sich um die Krankheit derer, die meinten, es genüge, ein trauriges oder schwermütiges, den anderen gegenüber strenges Gesicht zu machen, mit Rigidität und Arroganz. In Wirklichkeit aber „sind die theatralische Strenge und der sterile Pessimismus oft Symptome von Angst und mangelnder Selbstsicherheit“. Der Apostel müsse sich anstrengen, freundlich, heiter, begeistert und froh zu sein und dies den anderen weiterzugeben. Franziskus forderte dazu auf, auch selbstironisch und humorvoll zu sein: „Wie gut tut doch eine Dosis gesunden Humors!“.

  1. Die Krankheit des Anhäufens materieller Güter

… sei die Krankheit des Apostels, der versucht, eine existentielle Leere in seinem Herzen zu füllen, indem er materielle Güter anhäuft, „nicht aus Notwendigkeit, sondern allein um sich sicher zu fühlen“.

  1. Die Krankheit der geschlossen Kreise und der Zugehörigkeit zu Grüppchen

Diese Krankheit stelle sich ein, wenn die Zugehörigkeit zum Grüppchen stärker werde als die Zugehörigkeit zum Leib oder zu Christus selbst. Mit der Zeit werde diese Krankheit zu einem Krebs und verknechte die Mitglieder.

  1. Die Krankheit des weltlichen Profits, des Exhibitionismus

Die letzte Krankheit stelle sich ein, wenn ein Apostel seinen Dienst in Macht verwandle und seine Macht in Waren, um weltliche Profite oder mehr Macht zu erlangen. Es sei dies die Krankheit derer, die danach trachteten, unersättlich ihre Macht zu mehren, und zu diesem Zweck fähig seien, zu verleumden und die anderen in Misskredit zu bringen, „sogar in den Zeitungen und Zeitschriften. Dies natürlich, um zu zeigen, dass sie fähiger sind als die anderen“. Diese Krankheit sei für den Leib sehr schlimm, da sie die Menschen dazu bringe, jedes Mittel zu rechtfertigen, um dieses Ziel zu erreichen, „oft im Namen der Gerechtigkeit und Transparenz“.

(http://www.kath.net/news/48790)

Wir sind alle aufgerufen, unsere Lebenseinstellungen und Gepflogenheiten zu überprüfen. Um sich eine bessere Welt vorzustellen, zum Beispiel eine ohne Krieg, müssen wir ein Leben hin zum Frieden leben. Dazu gehört, dass die spirituellen Krankheiten in der obigen Botschaft angesprochen werden, um der weit verbreiteten Selbstgefälligkeit und Selbstgerechtigkeit, die unsere Gesellschaft dominiert, entgegen zu wirken.

Frohe Festtage an alle!

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