Obedience – Gehorsam

Die deutsche Übersetzung folgt weiter unten.

Obedience is very often understood in relation to the fact that one gives orders and others obey. Obedience is of great importance in hierarchical systems, such as the army, where obedience is imperative and non-obedience leads to punishment. The same is true in the church, where obedience is a special virtue and leads to salvation. Non-obedience is a guide to hell in various church organizations and denominations. But even the seemingly value-free market economy demands absolute obedience. According to proponents of a neo-liberal economic paradigm, influencing the invisible market forces will only lead to misfortune: therefore are government regulations, and other considerations and interventions for the common good responsible for all the ills of today’s consumer society.

”Obedience, in human behavior, is a form of “social influence in which a person yields to explicit instructions or orders from an authority figure”… Obedience is regarded as a virtue in many traditional cultures; historically, children have been expected to be obedient to their elders, slaves to their owners, serfs to their lords in feudal society, lords to their king, and everyone to God.” (Wikipedia)

While reading the book “Die Freigelassenen” by Anton Rotzetter, I came across a different interpretation of obedience. According to Francis of Assisi, obedience is a virtue that is paired with love. He understands obedience as “clairaudient reference to others”, which is manifested in human relationships as being “empathetically clairaudient” is. For me this is a very different, much more sympathetic human quality than the subservient obedience to a self-chosen or ascribed authority.

It is immediately apparent that a gradient is required for obedience in the conventional sense: subordination implies that something else or that someone else is superior. Even if you look at one’s own conscience as an authority, a gradient between the self and its conscience is being constituted.

This is difficult to understand in a worldview where all is One. God is in me, not above me. I want to be one with my conscience; my conscience is inseparable from me and helps me with practical decisions in the world. This results in a relational interaction, not a hierarchical one.

The bird becomes one with the fellow creatures, the elements, and the ground I will be walking on. - Der Vogel wird eins hit den Mitgeschöpfen, den Elementen, und dem Boden auf den ich gehen werde.
The bird becomes one with the fellow creatures, the elements, and the ground I will be walking on. – Der Vogel wird eins mit den Mitgeschöpfen, den Elementen, und dem Boden auf den ich gehen werde.

For me, this shall be a guiding principle for the interaction with others. I want to enter into a relationship with them, not to elevate or subordinate myself. We are all fellow human beings, or fellow creatures. Similarly, my faith demands to seek a relationship with the divine, to face the divine, and to experience the divine, in all its manifestations.

Therefore I can understand the Franciscan interpretation of obedience. Instead of a submission to the other it calls for a clairaudient reference, an empathetic exploration of the partner, whether it is a fellow human being or a fellow creature. The German word for obedience refers to the word to listen, or to hearken. To me this points to silence, to a small voice, but not to the screaming of commands, the pompous spreading of dogma, or the global penetration by an unjust system

Obedience therefore may be the search for God’s will. As a Quaker, I practice clairaudience as a central element of the liturgy. Since the divine manifests itself in every human being and in every fellow creature, their needs will be an opportunity to be obedient to the divine will and will serve as a guide for my actions.

Therefore, I need a mutual, equal relationship and empathy. I can see the connection that Francis of Assisi postulates between the two virtues: Both equality and empathy are also essential elements for love.

 

Gehorsam wird sehr oft verstanden im Zusammenhang mit dem Umstand dass einer Befehle gibt und die anderen gehorchen. Gehorsam hat eine grosse Bedeutung in hierarchischen Systemen, zum Beispiel der Armee, wo Gehorsam unbedingt ist und das Nicht-gehorchen strafbar; oder in der Kirche, wo Gehorsam eine besondere Tugend ist und zum Heil führt. Nicht-Gehorsam ist in verschiedensten kirchlichen Organisationen und Ausrichtungen ein Wegweiser in die Hölle. Aber auch die scheinbar wertneutrale Marktwirtschaft verlangt unbedingten Gehorsam: Ein eingreifen in die unsichtbaren Marktkräfte kann in der Ansicht von neoliberalen Wirtschaftsbefürwortern nur ins Unglück führen: Deshalb sind staatliche Regulierung und andere gemeinnützliche Überlegungen und Eingriffe für alles Unheil der heutigen Konsumgesellschaft verantwortlich.

“ Gehorsam ist prinzipiell das Befolgen von Geboten oder Verboten durch entsprechende Handlungen oder Unterlassungen. Das Wort leitet sich (ähnlich wie Gehorchen) von Gehör, horchen, hinhören ab und kann von einer rein äußerlichen Handlung bis zu einer inneren Haltung reichen.

Gehorsam bedeutet die Unterordnung unter den Willen einer Autorität, das Befolgen eines Befehls, die Erfüllung einer Forderung oder das Unterlassen von etwas Verbotenem. Die Autorität ist meistens eine Person oder eine Gemeinschaft, kann aber auch eine überzeugende Idee, ein Gott oder das eigene Gewissen sein.” (Wikipedia)

Bei der Lektüre des Buches “Die Freigelassenen” von Anton Rotzetter bin ich auf eine weitere Auslegung von Gehorsam gestossen. Gemäss Franz von Assisi ist Gehorsam eine Tugend die gepaart ist mit der Liebe. Daraus versteht er Gehorsam als „hellhöriges Verwiesensein auf andere“, das sich im menschlichen Umgang darin manifestiert, dass jemand „einfühlend hellhörig“ ist. Für mich ist das eine ganz andere, viel sympathischere menschliche Qualität als der unterwürfige Gehorsam gegenüber einer selbsterwählten oder eingesetzten Autorität.

Was mir sofort aufgefallen ist, ist das Gefälle, das notwendig ist für Gehorsam im konventionellen Sinn: Unterordnen setzt voraus, dass etwas anderes, dass jemand anders, übergeordnet ist. Selbst wenn man das eigene Gewissen als Autorität betrachtet, wird ein Gefälle zwischen dem Selbst und dem Gewissen definiert.

In einem Weltverständnis wo alles Eins ist, ist das schwer nachvollziehbar. Gott ist in mir, nicht über mir. Ich will eins sein mit meinem Gewissen; mein Gewissen gehört untrennbar zu mir und hilft mir bei praktischen Entscheidungen in der Welt. Daraus ergibt sich ein beziehungsmässiges Gefüge, nicht ein hierarchisches.

Das soll für mich auch das Leitbild sein im Umgang mit anderen. Ich will mich mit ihnen in Beziehung setzen, und nicht mich ihnen unter- oder überordnen. Wir sind alles Mitmenschen, oder Mitgeschöpfe. Genau so will ich aus meinem Glauben heraus mich mit dem Göttlichen in Beziehung setzen, dem Göttlichen begegnen, und das Göttliche, in all seinen Manifestationen, erleben.

Von daher leuchtet mir die franziskanische Auslegung von Gehorsam ein. Anstelle einer Unterordnung gegenüber dem Anderen fordert sie eine hellhörige Verwiesenheit, eine einfühlend Ergründung des Gegenübers, sei das ein Mitmensch oder ein Mitgeschöpf. Das deutsche Wort Gehorsam bezieht sich ja deutlich auf das Wort hinhören, oder horchen. Für mich deutet das auf Stille, auf eine leise Stimme hin, nicht auf das Schreien von Befehlen, das pompöse Verbreiten von Dogmen, oder das globale Durchdringen von einem ungerechten System.

Gehorsam kann demzufolge die Suche nach dem Willen Gottes sein. Als Quäker praktiziere ich die Hellhörigkeit als zentrales Element der Liturgie. Da das Göttliche sich in jedem Mitmenschen und in jedem Mitgeschöpf manifestiert, sollen mir deren Bedürfnisse mit Anlass sein, dem göttlichen Willen gehorsam zu werden und als Richtlinie für mein Handeln zu Grunde liegen.

Dafür brauche ich eben eine beidseitige, gleichberechtigte Beziehung und ein Einfühlungsvermögen. Damit schliesst sich für mich auch der Kreis zwischen den beiden Tugenden, wie das Franz von Assisi fordert: Sowohl Gleichberechtigung wie auch ein Einfühlungsvermögen bilden auch fundamentale Grundlagen für die Liebe.

 

Weitergehende Lektüre:

 

Kirchlicher Gehorsam und seine Grenzen:

Laun, A. (2010). Autorität und Gehorsam in der Kirche (http://www.vfa-ev.de/fileadmin/Dateien/PDF/Vortrag_Laun.pdf)

Haas, A. (2011). Was ist eigentlich Gehorsam?  Wir sind Kirche, 72 (Dezember 2011). http://www.wir-sind-kirche.at/content/index.php?option=com_sectiontoc&task=view&id=1254&Itemid=23

Marktwirtschaft und weiterleitende Gedanken zu Gehorsam:

Gehorsam ist die grösste Ehr; seid einander gehorsam (http://www.bruderklaus.com/?id=659)

 

 

4 thoughts on “Obedience – Gehorsam

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