Random Act of Kindness #9

Suechätzi öppis?

This was the simple question posed by a young woman that touched me so much after walking all day – all week. I was about to continue my walk in the diminishing daylight towards my chosen destination. I stood on a busy square in front of a lamppost with a collection of directional trail markers, some for hiking trails, some for bicycle trails. As I was contemplating the most appropriate route from Brunnen to Schwyz, considering that I no longer desired to take the scenic one, but rather the most efficient way, a stranger approached me and asked a simple question:

Suechätzi öppis?

“Are you looking for something?” in the local dialect. Of course, I was looking for something. My entire journey is part of ‘looking for something’; but at the moment, I was discerning a very simple question. So, I put that question out to the stranger in front of me. And I accepted her answer without questioning because I knew that this random act of kindness was not random at all, it was a form of guidance that was presented to me. Needless to say that I got to the hostel without delay. Wegweiser

Suechätzi öppis?

Das war die simple Frage die eine junge Frau mir stellte und die mich im Moment, nach einem anstrengenden Wandertag so sehr berührte. Ich wollte meine Wanderung in der einbrechenden Dunkelheit Richtung des gewählten Zielortes fortsetzen.Ich stand auf einem verkehrsreichen Platz vor einer Strassenlampe an der verschiedenste Wegweiser für Wander- und Fahrradwege angebracht waren. Ich war mir am Überlegen auf welchem Weg ich wohl am besten von Brunnen nach Schwyz gelangen würde. Ich suchte ja nicht mehr die Route mit den Sehenswürdigkeiten, ich wollte einfach auf schnellstem Weg zum Ziel. So kam es dass eine Fremde mich unverhofft ansprach mit der einfachen Frage:

Suechätzi öppis?

“Suchen Sie etwas?”, im einheimischen Dialekt. Natürlich bin ich auf der Suche. Bei meiner ganzen Reise geht es ja darum, dass ich etwas suche. Doch in jenem Moment wollte ich ja nur eine unkomplizierte Frage entscheiden. Also, stellte ich die Frage an die mir völlig Unbekannte die vor mir stand. Und ich akzeptierte ihre Antwort ohne zu hinterfragen weil ich wusste dass diese zufällige Güte überhaupt nicht zufällig war: Es war eine Form von Vorsehung oder Führung die mir zukam. Natürlich muss ich gar nicht erst erwähnen, dass ich danach die Herberge ohne Verzögerung aufgefunden habe.

Random Act of Kindness #8

Random Act of Kindness #7

Random Act of Kindness #6

Random Act of Kindness #5

Random Act of Kindness #4

Random Act of Kindness #3

Random Act of Kindness #2

Random Act of Kindness #1

En route – von Schwyz nach Einsiedeln

 

Ich bitte um Verzeihung dass ich die versprochenen Bilder von gestern erst heute zur Verfügung stelle, und dann erst noch unter einem verwirrlichen Titel. Die heutige Tagesetappe gab nicht viele Bilder her. Ich hoffe, du kriegst trotzdem einen Eindruck der zwei Bergetappen.

I ask you for forgiveness for posting yesterday´s pictures under a confusing heading. But today´s leg of the journey did not yield many pictures. I hope you can get an impression of the two alpine sections of my journey.

En route – von Luzern nach Schwyz

English translation below – pictures will be posted soon

Ein langer Tag. Das erste Mal, dass ich erst nach dem Einnachten im Zielort angekommen bin. Das hat nicht so sehr mit der Wegstrecke zu tun, als vielmehr mit dem Wasser, das Teil des Weges bildete. Ich musste in Treib auf das Schiff warten, das mich nach Brunnen brachte. Es sind ja nur einige Hundert Meter Distanz, aber der Vierwaldstättersee ist arg tief und das Wasser zu kalt um zu schwimmen. Nein, an der Badehose hätte es wirklich nicht gefehlt – die ist im Gepäck.

Der Weg führte mich zum grössten Teil dem Ufer des Vierwaldstättersees entlang. Die erste Hälfte der Tagesetappe war sehr zivilisiert. Es gab kaum Schnee auf den Strassen und Feldwegen, und die Autobahn war immer in Hörweite. Nach einem Mittagsrast in Beckenried wurde die Besiedelung weniger dicht und bald schon tauchte ich in den Wald ein der sich steil vom Seeufer in die Berge hochzog. In diesen Gefilden hat sich der Schnee auch viel besser gehalten. Schon bald merkte ich den Widerstand an den Sohlen. Das sachte Einsinken braucht wesentlich mehr Antriebsenergie als das Wandern auf festem Grund.

Der schmale Weg  zwischen dem Seeufer und dem Steilhang erinnerte mich an den Klondike: Da gab es viele Überreste von massiven Steinbrüchen, mit künstlichen Hafenanlagen und Schiffsverladestellen, altem Gerät das eingewuchert ist. Dann kam ich zu einem imposanten Wasserfall der in steter Arbeit sich in den harten Felsen eingekerbt hat. Gleich hinter dem Wasserfall find der Weg an zu steigen – 300 Höhenmeter in der Falllinie. Continue reading “En route – von Luzern nach Schwyz”

Sich Quer Stellen – Lenten reflection on being unique

Ich bin was ich bin, weiss was ich bin, und muss mich nicht anpassen nur weil du grösser, stärker, und dominierender bist. Haus an der Obergrundstrasse in Luzern - I am what I am, I know who I am, and I don´t have to assimilate just because you are bigger, stronger, and more dominant.
Ich bin was ich bin, weiss was ich bin, und muss mich nicht anpassen nur weil du grösser, stärker, rentabler, und dominierender bist. Ein Haus an der Obergrundstrasse in Luzern das schon seit meiner Kindheit immer quer steht. – I am what I am, I know who I am, and I don´t have to assimilate just because you are bigger, stronger, more profitable, and more dominant. This house in Lucerne has, as far back as I can remember, been misaligned in the eyes of modern city planners.
Sich quer stellen:
  • der bewusste Entscheid sich nicht treiben zu lassen von Modeströmungen.
  • der bewusste Entscheid sich nicht treiben zu lassen von Ängsten.
  • der bewusste Entscheid, Einzigartigkeit und konsumorientierter Individualismus miteinander zu verwechseln.
  • der bewusste Entscheid nicht auf Kosten anderer zu leben.
  • der bewusste Entscheid sich nach Werten und Prinzipien zu orientieren, die man mit dem eigenem Gewissen vereinbaren kann.
  • der bewusste Entscheid sich nach Werten und Prinzipien zu orientieren, die man nach reiflicher Prüfung als göttlicher Wille erkannt hat.

Bewusst leben. Einzigartig sein.

(English version below)

“Demut heißt sich nicht vergleichen. In seiner Wirklichkeit ruhend ist das Ich weder besser noch schlechter, weder größer noch kleiner als anderes oder andere. Es ist – nichts, aber gleichzeitig eins mit allem.” (Dag Hammarskjöld, aus dem Buch: Zeichen am Weg)

 

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En route – melancholic morning blues

photo credit: Wohlgeraten Tagebuch (blog.wohlgeraten.de)

(English translation below)
Heute bin ich in einer ganz melancholischen Stimmung aufgewacht. Plötzlich fehlte mir ein Ort wo ich mich zu Hause fühle. Ein Ort wo ich mein Waschlappen und Handtuch an einem bestimmten Haken aufhänge und da hängen lassen kann bis zum nächsten Gebrauch. Ein Ort wo ich selber Essen zubereite, das Geschirr wasche, und aufräumen darf.
Es ist ja nicht so dass irgendetwas fehlen würde. Übernachten in der Jugendherberge ist sehr bequem. Auch meine Zimmernachbarn sind sehr rücksichtsvoll, keiner schnarcht. Da heisst ich kann relativ gut schlafen. Das Frühstücksbuffet ist reichlich und entspricht meinen Essgewohnheiten.
Aber, es fehlt schon nur das Ritual vom Kaffee machen am Morgen. Ich bin mir schon lange bewusst wie wichtig für mich die Gewohnheit ist nach dem Aufstehen hin zu gehen zum Kochherd, den italienschen Espresso Macher zu füllen und zusammen zu schrauben, und dann zu warten auf das erlösende Geräusch, das unvergleichliche Rauschen das für mich so etwas bedeutet wie „auf geht´s – ein neuer Tag wartet auf mich!”

Noch wartet der Tag auf mich. Continue reading “En route – melancholic morning blues”

Before I dance with Death… (+de)

Tafel 45 des Totentanzes auf der Spreuerbrücke in Luzern - Panel 45 of the Danse of Death series on the Spreuer Bridge in Lucerne.
Der Bauer: Tafel 45 des Totentanzes auf der Spreuerbrücke in Luzern – The Peasant: Panel 45 of the Dance of Death series on the Spreuer Bridge in Lucerne.

Ach Pur wie sur gwünst du dein Brot. – Ich gwüns mit Arbeit Angst und Not. –
Wil läben doch lieber ein Pursman. – Als gstorben für ein Edelman.

(transcribed in: Der Todtentanz: Gemälde auf der Mühlenbrücke in Luzern, 1881) Continue reading “Before I dance with Death… (+de)”

En route – von Werthenstein nach Luzern

Random Act of Kindness #8

Eine Bergallee aus Lärchen auf der Krete des Sonnenbergs - The crest trail on the Sonnenberg near Lucerne, lined by majestic larch (tamarack) trees.
Eine Bergallee aus Lärchen auf der Krete des Sonnenbergs – The crest trail on the Sonnenberg near Lucerne, lined by majestic larch (tamarack) trees.

Thanks to all the dog owners of the communities along the hiking trail: It is your daily dedication to your dogs and to your outdoor pursuits that have helped tremendously in maintaining the various sections of the pilgrim’s trail. Without your help, I would have been a much bigger effort for me to break trail through the snow along the Little Emme River and over the Sonnenberg.

Besten Dank an alle Hundebesitzer in den Gemeinden entlang der Fernwanderroute: Es ist eure tägliche Hingabe für eure Vierbeiner und eure Begeisterung für Naturerlebnisse die stark mitgeholfen haben die unterschiedlichen Abschnitte des Pilgerweges zu unterhalten. Ohne eure Hilfe wäre es für mich viel anstrengender gewesen den Weg entlang des Emmenuferweges oder über den Sonnenberg zu pfaden.

Die unbequemste Art der Fortbewegung ist das Insichgehen (Karl Rahner)

The most uncomfortable way to travel is a journey of self-discovery (own translation).

Tiefe ergründen - Searching for depth
Tiefe ergründen – Searching for depth

En route – von Schüpfheim nach Werthenstein

Aufbruch – Departures #4

Ein treuer Wegbegleiter im Entlebuch - A forest spirit manifesting itself in the Entlebuch valley.
Ein treuer Wegbegleiter im Entlebuch – A forest spirit manifesting itself in the Entlebuch valley and watching over the trail.

After a full week of sharing life with the Sunnehuegel community, it was time for me to break camp and to start breaking trail again. After a hearty breakfast, I left in subzero temperatures with overcast skies. The last days, the sun tried to break through the clouds and the fog, but today grey was the main colour hue in the landscape of the Entlebuch.

I followed the hiking trail along the Little Emme River. In the vicinity of the towns, there were recent footprints in the snow. On the more remote sections, I followed the animal tracks, mostly fox and some deer. There were a few raptors perched in the trees along the river. It was quiet and peaceful. The river is following its course through the narrows and the wider sections with riparian habitats, surrounded by rocky outcrops that are decorated with curtains of icicles.

I need that distance and solitude in order to start processing the impressions gained during the previous week. The former monastery is a solid shell, a firm framework for community life. It becomes palpable very quickly, how these walls, the architecture separates the wider world from the more insular world of the Sunnehuegel community. Continue reading “Aufbruch – Departures #4”

Obedience – Gehorsam

Die deutsche Übersetzung folgt weiter unten.

Obedience is very often understood in relation to the fact that one gives orders and others obey. Obedience is of great importance in hierarchical systems, such as the army, where obedience is imperative and non-obedience leads to punishment. The same is true in the church, where obedience is a special virtue and leads to salvation. Non-obedience is a guide to hell in various church organizations and denominations. But even the seemingly value-free market economy demands absolute obedience. According to proponents of a neo-liberal economic paradigm, influencing the invisible market forces will only lead to misfortune: therefore are government regulations, and other considerations and interventions for the common good responsible for all the ills of today’s consumer society. Continue reading “Obedience – Gehorsam”

Ausgrenzung, Unterdrückung, und Widerstand (+en)

(English translation below)

Bei der Ankunft im ehemaligen Kapuziner Kloster, dem heutigen Haus der Gastfreundschaft, ist eine grosse, steinerne Gedenktafel sichtbar. Obwohl die Tafel in erster Line auf die Baugeschichte des historischen Gebäudes verweist, lässt sich aus dem ersten Satz viel Vorgeschichte heraus lesen:

Sunnehuegel7

„Zur Beruhigung der bitteren Untertanen schickte nach dem Bauernkrieg von 1653 der Rat von Luzern die Kapuziner nach Schüpfheim und erbaute ihnen auf eigene Kosten hier, wo bisher ein Galgen mit Überresten hingerichteter Bauernführer stand, Kirche und Kloster. 

Der Bauernkrieg war ein Aufstand der rechtlosen Landbevölkerung. Die Bauern hatten genug von der politischen Bevormundung und der wirtschaftlichen Ausbeutung und Benachteiligung durch die mächtigen Stadtherren. Continue reading “Ausgrenzung, Unterdrückung, und Widerstand (+en)”

Verdichten (+en)

Bergahorn, allein auf weiter Flur [in der Nähe des Kraftortes Heiligkreuz] - A solitary Great (or Sycamore) Maple tree [near Heiligkreuz, a place of strength].
Bergahorn, allein auf weiter Flur [in der Nähe des Kraftortes Heiligkreuz] – A solitary Great (or Sycamore) Maple tree [near Heiligkreuz, a place of strength in Switzerland].

Heute möchte ich ein Gebet mit dir teilen, das in poetischer Weise beschreibt woher einige meiner Gedanken stammen die die Grundlage sind für viele meiner Blogeinträge. Es gibt mir Kraft, diesen Weg weiter zu gehen.

Gott,
lege Worte mir in den Mund,
die über das hinaus reichen, was erreichbar ist.
Die über das hinaus denken,
was denkbar ist.
Die sich mehr wünschen
und mehr vorstellen,
als ich mir wünschen und vorstellen kann. Continue reading “Verdichten (+en)”

Ankunft – Arrival #3

Located on a sunny hill in the middle of a rural town in the Entlebuch valley: "Haus der Gastfreundschaft" - The Hospitality House. - Auf einem sonnigen Hügel, eingebettet ins ländliche Dorf im Entlebuch: Das Haus der Gastfreundschaft.
Located on a sunny hill in the middle of a rural town in the Entlebuch valley: “Haus der Gastfreundschaft” – The Hospitality House. – Auf einem sonnigen Hügel, eingebettet ins ländliche Dorf im Entlebuch: Das Haus der Gastfreundschaft.

It was the most beautiful day to arrive in Schüpfheim. Or as the Swiss would say: It was a weather like on a postcard. Brilliant sunshine and deep blue sky over a snow-covered landscape. I fully understand all the families that got the skis out of their basements or attics to make a few runs down a hill!
Once at the former monastery, one of the first sights was the reflection of the stained glass windows on the wall of the refectory. Open arms and a welcoming atmosphere. Continue reading “Ankunft – Arrival #3”